Fachsprachprüfung – Vollständiger Musterfall

Dieser Musterfall zeigt eine vollständige strukturierte Anamnese im Dialog, eine prüfungsgerechte Fallvorstellung im Arzt–Arzt-Gespräch sowie einen formal korrekten Arztbrief. Patientenaussagen werden im Konjunktiv I wiedergegeben, ärztliche Befunde im Indikativ.


Fall: 42-jährige Patientin mit akuten rechtsseitigen Unterbauchschmerzen


1. Strukturierte Anamnese (Dialogform)

Gesprächseröffnung

Arzt: Guten Tag, mein Name ist Dr. … Ich bin der diensthabende Arzt. Wie darf ich Sie ansprechen?

Patientin: Schneider.

Arzt: Frau Schneider, was führt Sie heute zu uns?

Patientin: Ich habe starke Schmerzen im rechten Unterbauch.

Leitsymptom – Schmerzcharakterisierung

Arzt: Seit wann bestehen die Beschwerden?

Patientin: Seit gestern Abend.

Arzt: Haben die Schmerzen plötzlich begonnen?

Patientin: Zuerst waren sie diffus im ganzen Bauch, später sind sie nach rechts unten gewandert.

Arzt: Wie würden Sie die Schmerzen beschreiben?

Patientin: Stechend und teilweise ziehend.

Arzt: Wie stark sind die Schmerzen auf einer Skala von null bis zehn?

Patientin: Acht.

Arzt: Verstärken sich die Schmerzen bei Bewegung oder Husten?

Patientin: Ja, deutlich.

Begleitsymptome

Arzt: Haben Sie Übelkeit oder Erbrechen?

Patientin: Mir ist übel, einmal habe ich erbrochen.

Arzt: Haben Sie Fieber gemessen?

Patientin: Ich hatte 38,2 Grad.

Arzt: Wie war Ihr Stuhlgang zuletzt?

Patientin: Unauffällig.

Urogenitale Anamnese

Arzt: Beschwerden beim Wasserlassen?

Patientin: Nein.

Gynäkologische Anamnese

Arzt: Wann war Ihre letzte Regelblutung?

Patientin: Vor drei Wochen.

Arzt: Besteht die Möglichkeit einer Schwangerschaft?

Patientin: Nein.

Eigenanamnese

Arzt: Haben Sie bekannte Vorerkrankungen?

Patientin: Nur eine Schilddrüsenunterfunktion.

Arzt: Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?

Patientin: L-Thyroxin 75 Mikrogramm täglich.

Arzt: Allergien?

Patientin: Keine bekannt.

Sozialanamnese

Arzt: Rauchen Sie?

Patientin: Nein.

Arzt: Alkohol?

Patientin: Selten.

Zusammenfassung

Arzt: Ich fasse zusammen: Seit gestern zunehmende rechtsseitige Unterbauchschmerzen mit initial diffuser Schmerzlokalisation, Fieber bis 38,2 Grad, Übelkeit und einmaligem Erbrechen. Schilddrüsenunterfunktion bekannt, keine Allergien. Ist das korrekt?

Patientin: Ja.


2. Arzt–Arzt-Gespräch (Fallvorstellung)

Es handelt sich um eine 42-jährige Patientin mit seit gestern Abend progredienten Schmerzen im rechten Unterbauch.

Sie gibt an, die Schmerzen hätten zunächst diffus begonnen und sich im Verlauf in den rechten Unterbauch verlagert. Die Schmerzintensität beziffere sie mit 8 von 10. Begleitend habe sie über Übelkeit sowie einmaliges Erbrechen berichtet. Fieber bis 38,2 Grad habe sie gemessen. Dysurie verneine sie.

Als Vorerkrankung sei eine Schilddrüsenunterfunktion bekannt. Eine Dauermedikation mit L-Thyroxin 75 Mikrogramm täglich nehme sie ein. Allergien verneine sie.

Bei der Untersuchung zeigt sich ein ausgeprägter Druckschmerz im rechten Unterbauch mit positivem Loslassschmerz. Die Körpertemperatur beträgt 38,1 Grad. Laborchemisch besteht eine Leukozytose von 14.000/µl sowie ein CRP-Anstieg. Sonographisch zeigt sich eine verdickte Appendix mit umgebender entzündlicher Reaktion.

Insgesamt besteht der Verdacht auf eine akute Appendizitis. Die Indikation zur operativen Therapie wird gestellt.


3. Arztbrief

Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Musterkrankenhaus
Musterstraße 10
12345 Musterstadt


An die weiterbehandelnde Hausärztin / den weiterbehandelnden Hausarzt


Betreff: Frau Schneider, 42 Jahre – Akute Appendizitis


Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,


wir berichten über die stationäre Behandlung der oben genannten Patientin.

Anamnese:
Die Patientin habe angegeben, seit dem Vorabend zunehmende Schmerzen im rechten Unterbauch zu verspüren. Initial hätten die Schmerzen diffus begonnen und sich im Verlauf nach rechts unten verlagert. Begleitend habe sie über Übelkeit sowie einmaliges Erbrechen berichtet. Fieber bis 38,2 Grad habe sie gemessen. Dysurie habe sie verneint. Als Vorerkrankung sei eine Schilddrüsenunterfunktion bekannt. Allergien habe sie verneint.

Befund:
Bei Aufnahme war die Patientin kreislaufstabil. Es bestand ein ausgeprägter Druckschmerz im rechten Unterbauch mit positivem Loslassschmerz. Laborchemisch zeigte sich eine Leukozytose sowie ein deutlich erhöhtes C-reaktives Protein. Sonographisch fand sich eine entzündlich veränderte Appendix.

Therapie und Verlauf:
Nach entsprechender Aufklärung erfolgte die laparoskopische Appendektomie. Der postoperative Verlauf war komplikationslos. Die Patientin konnte am dritten postoperativen Tag in gutem Allgemeinzustand entlassen werden.

Empfehlung:
Wir empfehlen körperliche Schonung für zwei Wochen sowie eine ambulante Wundkontrolle. Bei Fieber oder zunehmenden Beschwerden bitten wir um erneute Vorstellung.


Mit freundlichen kollegialen Grüßen


Dr. med. …
Fachärztin/Facharzt für Allgemeinchirurgie

Fachsprachprüfung – Musterfall 2 (Internistisch)

Fall: 58-jähriger Patient mit akuter Atemnot


1. Strukturierte Anamnese (Dialogform)

Gesprächseröffnung

Arzt: Guten Tag, mein Name ist Dr. … Ich bin der zuständige Arzt. Wie darf ich Sie ansprechen?

Patient: Meier.

Arzt: Herr Meier, was führt Sie heute zu uns?

Patient: Ich bekomme seit heute Morgen schlecht Luft.

Leitsymptom – Dyspnoe

Arzt: Seit wann genau bestehen die Beschwerden?

Patient: Seit etwa vier Stunden.

Arzt: Sind die Beschwerden plötzlich aufgetreten?

Patient: Ja, ganz plötzlich.

Arzt: Tritt die Atemnot in Ruhe oder bei Belastung auf?

Patient: Schon in Ruhe.

Arzt: Haben Sie Schmerzen in der Brust?

Patient: Ja, rechtsseitig, besonders beim Einatmen.

Arzt: Wie würden Sie den Schmerz beschreiben?

Patient: Stechend.

Begleitsymptome

Arzt: Hatten Sie Husten?

Patient: Ja, trocken.

Arzt: Haben Sie Blut gehustet?

Patient: Nein.

Arzt: Ist Ihnen schwindelig oder waren Sie bewusstlos?

Patient: Mir war kurz schwindelig.

Thromboserisikofaktoren

Arzt: Waren Sie in letzter Zeit längere Zeit immobilisiert?

Patient: Ja, ich hatte vor zwei Wochen eine Knieoperation.

Arzt: Haben Sie eine Schwellung oder Schmerzen im Bein bemerkt?

Patient: Das rechte Bein war seit ein paar Tagen etwas geschwollen.

Eigenanamnese

Arzt: Haben Sie bekannte Vorerkrankungen?

Patient: Bluthochdruck.

Arzt: Nehmen Sie regelmäßig Medikamente?

Patient: Ramipril 5 mg täglich.

Arzt: Rauchen Sie?

Patient: Ja, etwa 20 Zigaretten täglich.

Zusammenfassung

Arzt: Ich fasse zusammen: Seit vier Stunden plötzlich aufgetretene Atemnot in Ruhe, rechtsseitiger atemabhängiger Thoraxschmerz, kürzlich erfolgte Knieoperation, Schwellung des rechten Beins. Ist das korrekt?

Patient: Ja.


2. Arzt–Arzt-Gespräch (Fallvorstellung)

Es handelt sich um einen 58-jährigen Patienten mit akut aufgetretener Dyspnoe seit etwa vier Stunden.

Er gibt an, die Atemnot sei plötzlich aufgetreten und bestehe auch in Ruhe. Zusätzlich habe er rechtsseitige atemabhängige Thoraxschmerzen beschrieben. Husten bestehe trocken, Hämoptyse verneine er. Schwindel habe er kurzzeitig verspürt.

Vor zwei Wochen habe er sich einer Knieoperation unterzogen. Seit einigen Tagen habe er eine Schwellung des rechten Beines bemerkt.

Als Vorerkrankung sei eine arterielle Hypertonie bekannt. Eine Dauermedikation mit Ramipril 5 mg täglich nehme er ein. Er rauche etwa 20 Zigaretten pro Tag.

Bei der Untersuchung zeigt sich eine Tachykardie mit 110/min sowie eine leichte Tachypnoe. Die Sauerstoffsättigung beträgt 90 % unter Raumluft. Das rechte Unterschenkel ist geschwollen und druckschmerzhaft.

Laborchemisch zeigt sich ein erhöhter D-Dimer-Wert. In der CT-Angiographie bestätigt sich der Verdacht auf eine Lungenembolie.

Die Diagnose lautet: Akute Lungenembolie bei tiefer Beinvenenthrombose. Eine therapeutische Antikoagulation wird eingeleitet.


3. Arztbrief

Klinik für Innere Medizin
Musterkrankenhaus
Musterstraße 10
12345 Musterstadt


An die weiterbehandelnde Hausärztin / den weiterbehandelnden Hausarzt


Betreff: Herr Meier, 58 Jahre – Akute Lungenembolie


Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,


wir berichten über die stationäre Behandlung des oben genannten Patienten.

Anamnese:
Der Patient habe angegeben, seit etwa vier Stunden plötzlich unter Atemnot zu leiden. Zusätzlich habe er rechtsseitige atemabhängige Thoraxschmerzen beschrieben. Hämoptyse habe er verneint. Vor zwei Wochen habe er sich einer Knieoperation unterzogen. Seit einigen Tagen habe er eine Schwellung des rechten Beines bemerkt. Als Vorerkrankung sei eine arterielle Hypertonie bekannt.

Befund:
Bei Aufnahme bestand eine Tachykardie sowie eine reduzierte Sauerstoffsättigung. Das rechte Bein war geschwollen und druckschmerzhaft. Laborchemisch zeigten sich erhöhte D-Dimere. Die CT-Angiographie bestätigte eine Lungenembolie.

Therapie und Verlauf:
Es wurde eine therapeutische Antikoagulation eingeleitet. Der klinische Verlauf war stabil.

Empfehlung:
Fortführung der Antikoagulation gemäß Leitlinie. Regelmäßige hausärztliche Kontrolle.


Mit freundlichen kollegialen Grüßen


Dr. med. …
Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin

Kenntnisprüfung – Neurologischer Musterfall

Fall: 72-jähriger Patient mit akuter Halbseitenlähmung


1. Strukturierte Falldarstellung

Es handelt sich um einen 72-jährigen Patienten, der sich mit akut aufgetretener rechtsseitiger Hemiparese sowie Sprachstörung vorstellt. Der Symptombeginn lag vor etwa 90 Minuten.

Anamnestisch bestehen eine arterielle Hypertonie, ein Diabetes mellitus Typ 2 sowie Vorhofflimmern. Eine orale Antikoagulation besteht nicht.

Bei Aufnahme zeigt sich eine rechtsbetonte Hemiparese, eine Fazialisparese rechts sowie eine expressive Aphasie. Der NIHSS-Score beträgt 12 Punkte.


2. Problemdefinition

Akutes fokal-neurologisches Defizit bei vaskulären Risikofaktoren. Verdacht auf akuten ischämischen Schlaganfall im Stromgebiet der linken A. cerebri media.


3. Differenzialdiagnosen

  • Ischämischer Schlaganfall (am wahrscheinlichsten)
  • Intrazerebrale Blutung
  • Subdurales Hämatom
  • Hypoglykämie
  • Postiktaler Zustand (Todd’sche Parese)
  • Hirntumor mit akuter Dekompensation

Aufgrund des plötzlichen Beginns und der vaskulären Risikokonstellation steht ein ischämischer Insult im Vordergrund. Eine Blutung muss jedoch bildgebend ausgeschlossen werden.


4. Diagnostisches Vorgehen

Unverzügliche native CCT zum Ausschluss einer intrazerebralen Blutung. Zusätzlich CT-Angiographie zur Beurteilung eines großen Gefäßverschlusses. Blutzuckerkontrolle zum Ausschluss einer Hypoglykämie. Labor inklusive Gerinnung. EKG zur Detektion eines Vorhofflimmerns.

Bei Ausschluss einer Blutung und innerhalb des therapeutischen Zeitfensters Indikationsprüfung zur systemischen Thrombolyse.


5. Therapeutisches Vorgehen

Bei fehlenden Kontraindikationen Durchführung einer intravenösen Thrombolyse mit rt-PA innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn.

Bei Nachweis eines proximalen Gefäßverschlusses Indikation zur mechanischen Thrombektomie innerhalb des erweiterten Zeitfensters gemäß Leitlinie.

Begleitend Blutdruckkontrolle, Blutzuckereinstellung, Monitoring auf der Stroke Unit.

Sekundärprophylaxe: Bei kardioembolischer Genese Einleitung einer oralen Antikoagulation. Optimierung der antihypertensiven Therapie. Diabeteseinstellung. Rauchstoppberatung.


6. Mögliche Komplikationen

  • Hämorrhagische Transformation
  • Hirnödem mit Einklemmung
  • Aspirationspneumonie
  • Epileptische Anfälle
  • Rezidivinsult

7. Prognose

Die Prognose hängt vom initialen neurologischen Defizit, der Zeit bis zur Reperfusion sowie dem Alter des Patienten ab. Frühe Rekanalisation verbessert das funktionelle Outcome signifikant.


8. Typische Prüferfragen

  • Wie definieren Sie das therapeutische Zeitfenster?
  • Welche absoluten Kontraindikationen bestehen für eine Lysetherapie?
  • Wie unterscheiden Sie klinisch eine Blutung von einem Infarkt?
  • Wann beginnen Sie mit der Antikoagulation nach kardioembolischem Insult?
  • Was ist die Pathophysiologie des ischämischen Penumbra-Konzepts?

Kenntnisprüfung – Musterfall 2 (Intensivmedizin / Innere Medizin)

Fall: 67-jähriger Patient mit Fieber, Dyspnoe und Kreislaufinstabilität


1. Strukturierte Falldarstellung

Es handelt sich um einen 67-jährigen Patienten, der sich mit seit drei Tagen zunehmendem Husten, Fieber und progredienter Dyspnoe vorstellt. Seit dem Morgen besteht zusätzlich Schwindel und eine ausgeprägte Schwäche. In der Notaufnahme wirkt der Patient somnolent und deutlich reduziert.

Anamnestisch bestehen eine COPD, ein Diabetes mellitus Typ 2 sowie eine chronische Niereninsuffizienz (Stadium 3). Der Patient ist Ex-Raucher. Eine regelmäßige Medikation umfasst eine inhalative COPD-Therapie sowie antidiabetische Medikamente.

Bei Aufnahme zeigt sich eine Hypotonie, eine Tachykardie und eine Tachypnoe. Die Sauerstoffsättigung ist vermindert. Klinisch besteht ein reduzierter Allgemeinzustand, mit Zeichen der peripheren Minderperfusion.


2. Problemdefinition

Akute respiratorische Insuffizienz bei Infektzeichen und Kreislaufinstabilität – hochgradiger Verdacht auf Sepsis, bei klinischen Schockzeichen Verdacht auf septischen Schock. Wahrscheinlicher Fokus: untere Atemwege (Pneumonie), Differenzialfokusse müssen parallel geprüft werden.


3. Differenzialdiagnosen (Gewichtung)

  • Sepsis / septischer Schock bei Pneumonie (am wahrscheinlichsten bei Fieber, Dyspnoe, Hypotonie, Hypoxie)
  • Akute COPD-Exazerbation (häufig, erklärt aber die Schockzeichen nicht ausreichend)
  • Kardiogenes Lungenödem / akute Herzinsuffizienz (Differenzial bei Dyspnoe und Hypoxie)
  • Lungenembolie (Differenzial bei akuter Dyspnoe, Tachykardie; Fieber möglich, aber Gesamtbild prüfen)
  • Akutes Koronarsyndrom (kann Schock/ Dyspnoe triggern, EKG/Troponin erforderlich)
  • Urosepsis / abdomineller Fokus (muss aktiv ausgeschlossen werden)

Die Kombination aus Infektzeichen, Hypoxie und Kreislaufversagen spricht primär für eine sepsisbedingte Genese. Die Differenzialdiagnosen werden parallel mit Basisdiagnostik adressiert, ohne die initiale Therapie zu verzögern.


4. Diagnostisches Vorgehen (Priorisierung)

Akut (innerhalb der ersten Minuten)

  • ABCDE-Assessment, Monitoring (EKG, SpO2, RR, Atemfrequenz), Bewusstseinslage
  • Arterielle Blutgasanalyse (Oxygenierung, Ventilation, Laktat)
  • Blutentnahmen: Blutbild, CRP/Prokalzitonin, Elektrolyte, Nieren- und Leberwerte, Gerinnung
  • Blutkulturen vor Antibiotikagabe (ohne relevante Verzögerung)
  • Kapillärer/venöser Blutzucker (Ausschluss Hypoglykämie, DM-Management)

Fokussuche / Organbeurteilung (parallel)

  • Röntgen-Thorax bzw. CT-Thorax bei unklarem Bild oder schwerem Verlauf
  • Urinstatus/Urinkultur als Screening auf Harnwegsfokus
  • Point-of-care-Ultraschall (Volumenstatus, Herzfunktion, Pleuraerguss, freie Flüssigkeit)
  • EKG und ggf. kardiale Marker zur Abgrenzung kardialer Ursachen

Ziel ist die rasche Bestätigung des septischen Krankheitsbildes, die Einschätzung der Organdysfunktion (z. B. respiratorisch, renal, hämodynamisch) und die Identifikation des Fokus.


5. Therapeutisches Vorgehen (leitlinienorientiert, begründet)

Unmittelbar

  • Sauerstoffgabe, bei respiratorischer Erschöpfung/Hyperkapnie Eskalation bis NIV/Intubation
  • Volumentherapie bei Hypotonie und Zeichen der Minderperfusion, Reevaluation nach klinischem Ansprechen
  • Frühe kalkulierte i.v. Antibiotikatherapie nach Abnahme von Blutkulturen; Auswahl abhängig von vermutetem Fokus, Risikoprofil und lokalen Resistenzdaten
  • Vasopressortherapie bei persistierender Hypotonie trotz adäquater Volumentherapie (Ziel: suffiziente Organperfusion)

Fokuskontrolle und Supportivtherapie

  • Fokuskontrolle: bei Pneumonie z. B. adäquate Antibiotikastrategie und Diagnostik; bei anderem Fokus rasche Sanierung (Drainage/Chirurgie) falls erforderlich
  • Engmaschige Bilanzierung, Nierenfunktion überwachen, Dosisanpassungen bei Niereninsuffizienz
  • Thromboseprophylaxe, Stressulkusprophylaxe nach Risiko
  • Glykämiekontrolle, Temperaturmanagement
  • Therapieziele und Verlaufskontrollen über Laktat/Perfusionsparameter

Die Therapie folgt dem Prinzip „time-critical“: Stabilisierung, frühe Antibiotikagabe, Kreislaufmanagement und parallele Fokussuche/Fokuskontrolle.


6. Mögliche Komplikationen

  • ARDS / progrediente respiratorische Insuffizienz
  • Akutes Nierenversagen bis Dialysepflicht
  • Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC)
  • Myokarddepression im Rahmen der Sepsis
  • Multiorganversagen
  • Nosokomiale Superinfektionen

7. Prognose

Die Prognose hängt wesentlich von der Zeit bis zur effektiven Therapie (Antibiotika/Fokuskontrolle), der initialen Schwere der Organdysfunktion und Komorbiditäten ab. Bei septischem Schock ist die Mortalität relevant erhöht; frühe Stabilisierung verbessert das Outcome.


8. Typische Prüferfragen (KP)

  • Wie definieren Sie Sepsis und septischen Schock? Welche klinischen Kriterien nutzen Sie?
  • Welche Maßnahmen haben in den ersten 60 Minuten Priorität – und warum?
  • Wie wählen Sie initial eine kalkulierte Antibiotikatherapie aus?
  • Welche Parameter nutzen Sie zur Therapiekontrolle (klinisch und laborchemisch)?
  • Wie unterscheiden Sie septischen Schock von kardiogenem Schock in der Akutsituation?
  • Wann und wie eskalieren Sie die Atemunterstützung bis zur Intubation?